Büropalast statt Waschstraße

Mehr oder weniger unbemerkt ist in Berlin ein Stück „Waschstraßen-Geschichte“ zu Ende gegangen. „Letzte Runde“ stand auf den Plakaten, mit denen ‚Clean Car‘ für den letzten Waschtag im Oktober geworben hat. Mit dem Abbau der Anlage verschwindet gleichzeitig auch ein Stückchen DDR-Vergangenheit. 

Die 1968 eröffnete Autowaschanlage an der Berliner Jannowitzbrücke war die erste Autowaschstraße der DDR. In den ersten vier Jahren wurden dort ausschließlich Karossen aus dem Regierungsfuhrpark gewaschen. Wenn ‚Erich“ aus dem Wagen winkte, musste der Lack richtig schön glänzen. 1972 dann wurde die Anlage dem VEB Autotrans übertragen und bekam den Namen ‚Waschbär‘. Die Anlage stand nun allen Autofahrern zur Verfügung und erfreute sich hoher Beliebtheit. In fünf mit Ampeln geregelten Spuren standen die Trabis und Wartburgs über eine Stunde lang an. Seinerzeit wurde nur ein Programm – die Oberwagenwäsche in drei Preiskategorien je nach Auto – angeboten.

In den kommenden Wochen kommt nicht nur die Waschstraße weg. Auch die Tankstelle, die Burger-King-Filiale oder Lidl werden verschwinden. Stattdessen soll auf dem Gelände ein riesiger Bürokomplex entstehen. 2019 soll der Baubeginn sein.

Autor: Helmut Peters

Journalist, Texter und PR-Profi. Seit vielen, vielen Jahren in der Medienwelt zuhause. Für große Unternehmen, kreative Agenturen, für Funk und TV. Offline und online. Lieblingsthema: Komplexe, erklärungsbedürftige Dienstleistungen und Produkte.

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