Moderne Sklaverei bleibt ein Problem – Teil 1

Weltweit bleibt Sklaverei ein verstecktes, aber wachsendes und somit auch äußerst Ernst zu nehmendes Problem. Neben anderen Branchen dient besonders im Vereinigten Königreich die Handwäsche oft als Deckmantel für Menschenhandel, in Deutschland die Baubranche und auch die Landwirtschaft.

Paul Donovan, Stadtrat und Parteiratsmitglied der Labour Party im Londoner Stadteil Wanstead Village berichtet, dass die Metropolitan Police allein in London im letzten Jahr 263 Fälle moderner Sklaverei verzeichnet. Das sind allerdings nur die Fälle, die tatsächlich aufgedeckt werden. Die Dunkelziffer ist wesentlich höher. Die Walk Free Foundation veröffentlicht den Global Slavery Index. Eine Liste, in der die Foundation viele Länder hinsichtlich moderner Sklaverei nach statistischen Analysemethoden bewertet. Die Walk Free Foundation wurde 2001 unter dem Dach der Minderoo Foundation gegründet, die als Stiftung des australischen Millionärs Andrew Forrest ins Leben gerufen wurde.

Nationale Unterschiede

Für Deutschland schätzt der Bericht, dass im Jahr 2016 167.000 Menschen täglich moderner Sklaverei ausgesetzt waren. Nur ein Bruchteil dessen wurde tatsächlich von der Polizei erfasst: 375 offizielle und abgeschlossene polizeiliche Untersuchungen mit 536 identifizierten Opfern und 551 Verdächtigen. Der Großteil dieser ausgebeuteten Menschen wird im Rotlichtmilieu verortet. Aber auch Zwangsarbeit spielt eine Rolle. In Deutschland werden vor allem die Baubranche, Landwirtschaft, Fleischverarbeitung, Gastronomie und Logistik als gefährdete Bereiche eingeschätzt. Diese Einschätzung stützt sich auf die identifizierten und polizeilich verfolgten Tatbestände.

Im Vereinigten Königreich wird für 2016 eine Zahl von 136.000 Menschen in moderner Sklaverei geschätzt. Trotz, dass diese Zahl geringer als die deutsche Schätzung ist, haben beide Länder einen ähnlichen Index. 2,0 Opfer pro tausend Einwohner in Deutschland und 2,1 pro tausend Einwohner im Vereinigten Königreich. Die Branchen, in denen vor allem moderne Sklaverei vermutet wird, unterscheiden sich jedoch zum Teil. Die UK hat ebenfalls mit Sklaverei im Rotlichtmilieu, der Baubranche und Landwirtschaft zu kämpfen. Die Zwangsarbeit wurde darüber hinaus aber ebenfalls in Handwäschen, Nagelstudios und Lebensmittelindustrie entdeckt.

Der wahre Preis der Billigkeit

Shayne Tyler, Compliance Director der Fresca Group, kennt dieses Problem aus erster Hand. Als Lebensmittelzulieferer im Vereinigten Königreich ist Tyler häufig mit Organisationen und Herstellern konfrontiert, in denen Menschen unter miserablen Bedingungen arbeiten müssen. Er wurde kürzlich als „Business Person oft he Year“ bei den „South Holland Business Awards“ für seinen Einsatz gegen moderne Sklaverei ausgezeichnet. Er rät den Verbrauchern: „Wenn Waren zu billig erscheinen, besteht eine gute Chance, dass eine fragwürdige oder gar böswillige Methode in der Produktion eingesetzt wird, die insbesondere die Menschen, die für diese Produktion zuständig sind, ausbeutet. Es gilt, auch als Konsument proaktiv zu arbeiten und herauszufinden, wie die Produkte in die Regale kommen und welche Schritte dafür unternommen werden.“

Das gilt insbesondere auch für die Autowäsche. In der UK werden noch häufig Handwäschen angeboten, deren Drahtzieher die Arbeiter schlecht oder gar nicht bezahlen. Paul Donovan zieht eine klare Linie. „Angebote, bei denen Sie Ihr Auto für weniger als fünf Pfund per Hand waschen lassen können, müssen einen Haken haben. Dieser Haken sind die Gehälter der Menschen, die Ihr Auto reinigen. Die bekommen nämlich oftmals nichts oder nur sehr wenig.“

Autor: Eva Heuft

Eva Heuft, studierte Germanistin und Anglistin, arbeitet als Redakteurin für das CarwashPro Magazin.

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