VW dreht Video über E-Autos in Waschanlagen und vergisst das Wichtigste

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Der Autohersteller VW hat kürzlich ein Video auf YouTube veröffentlicht und die Frage gestellt „Kann ich mit meinem ID.4 durch eine Waschanlage fahren?“. Doch anstatt sich dabei auf die realen Herausforderungen von modernen Autos in Waschanlagen einzugehen, ist die Antwort recht allgemein. Das Video wurde bei CleanCar in Berlin-Heinersdorf gedreht und auch die Mitarbeiter vor Ort haben einige Inhalte im fertigen Video vermisst.

Dass E-Autos genauso gereinigt und gepflegt werden müssen, wie jedes andere Fahrzeug auch, scheint naheliegend. Die Antriebsart macht keinen Unterschied bei der Verschmutzung und Reinigung aus. Dennoch steht in einem aktuellen Video von Volkswagen die Frage im Mittelpunkt, ob ein E-Auto in eine Waschanlage gefahren werden kann. „Ich stelle fest, dass Wasser und Elektrizität nicht gut zusammenpassen.“ heißt es im Video sehr plakativ. Die Antwort ist dann erwartungsgemäß eindeutig: „Selbstverständlich kann ein E-Auto in einer Waschanlage gewaschen werden. Die elektrischen Systeme sind geschützt gegen jede Art von Wasser.“ Mit einem Zwinkern wird ergänzt: „Bedenke, dass ein E-Auto ja auch durch Regen fahren können muss.“ Als einzige Hinweise zur Benutzung einer Waschanlage, wird daran erinnert, dass alle Fenster und die Kofferraumklappe zu schließen, auf „N“ zu stellen, die automatischen Wischer zu deaktivieren sind und auf Aufforderung die Seitenspiegel eingeklappt werden. Aber ist es wirklich so einfach?

„N“-Postion ist nicht immer die beste Lösung

Dass die Realität oftmals komplexer ist, wissen auch die Mitarbeiter der CleanCar AG. Am Standort in Berlin-Heinersdorf wurde dieses VW-Video gedreht. Wie in allen Waschanlagen machen die Mitarbeiter auch dort regelmäßig Erfahrungen mit modernen Autos und stellen fest, dass die Autowäsche sich verändert hat. Die CleanCar AG hat daher auf Anfrage von CarwashPro.de aktuelle Erfahrungen erläutert. Seitens des Unternehmens heißt es: „Moderne Fahrzeug-Modelle sind durchaus herausfordernd. Zahlreiche Assistenzsysteme, Komfortfunktionen und elektronische Features machen die Nutzung einer Waschstraße kompliziert. Der Warnhinweis für Automatik-Fahrzeuge: ‚Gang raus, Automatikwahlhebel auf ‚N‘, Motor abstellen, nicht lenken, nicht bremsen.‘ funktioniert bei den meisten Autos auch. Doch nicht jedes Auto mit Automatik folgt der Logik. Dann kann die Vorgabe fatale Folge haben.

Aktuelle Autos verfügen oft über eine elektronisch geregelte Parkbremse. In manchen Autos wird diese unabhängig vom gewählten Gang aktiviert, sobald die Zündung ausgeschaltet wird. Also auch dann, wenn der Automatik-Wählhebel auf ‚N‘ steht. Die Folge: Die Räder des Autos blockieren, es springt von der Kette und wird womöglich beschädigt. Und schlimmstenfalls wird es auch das folgende Fahrzeug beschädigen, wenn dieses auf den blockierenden Wagen geschoben wird.“

Der Blick sollte auf den Fahrern liegen

Aber nicht jedes moderne Auto wird zu einem Problem. Häufig sind es die Autofahrer, die mit den Funktionen und Neuheiten der Fahrzeuge nicht vertraut sind. Dies beobachten auch die Mitarbeiter bei CleanCar: „Wie unsere Mitarbeiter in den Waschstraßen berichten, sind v.a. ältere Fahrzeughalter überfordert und verstehen ihre Autos nicht mehr. In diesen Fällen sind die Kundenberater oft auch geduldige Trainer, die den Kunden helfen, sicher durch die Waschstraße zu kommen. Für unsere Mitarbeiter ist die Hilfestellung gar nicht so kompliziert, da etwa 90% der Modelle ähnlich funktionieren – egal ob E-Fahrzeug oder einfach nur die neueste Generation. Die Herausforderung ist eher zu erkennen, welcher Fahrer von seinem Fahrzeug überfordert ist.“

Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass das VW-Video skeptische Kommentare auf YouTube erhält. Denn die Fragestellung nach modernen Autos in Waschanlagen ist zwar richtig, aber offenkundig wurde ein anderer Schwerpunkt in der Beantwortung des Sachverhalts gesetzt.

Autor: Sandra Schäfer

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