„Nicht die Anlage, sondern das Personal ist das Unternehmen“

Matz Carwash betreibt zwei Niederlassungen in Deventer und Zutphen (Niederlande). Die Philosophie ist an beiden Standorten jedoch gleich: Das Personal besteht hauptsächlich aus Menschen, die einst als „arbeitsmarktfern“ eingestuft wurden. Betreiber Martin Kniest möchte einen dritten Standort eröffnen, der ebenfalls Menschen hilft, die aus den verschiedensten Gründen Schwierigkeiten haben, eine Erwerbstätigkeit zu finden.

Nachhaltigkeit in puncto Umwelt ist in aller Munde. Das Nachhaltigkeit aber darüber hinaus geht und auf viele Bereiche des Lebens angewandt werden kann, ist aus dem Fokus geraten. Für Kniest ist nachhaltiges Unternehmertum sehr wichtig – gerade in Bezug auf seine Mitarbeiter. „Rund 85 Prozent der Beschäftigten an diesem Standort haben Abstand zum Arbeitsmarkt. Dies betrifft zum Beispiel Menschen mit Autismus, Hörproblemen aber auch Flüchtlinge. Es ist für diese Menschen nicht selbstverständlich, eine Arbeit zu finden. Menschen mit einer Distanz zum Arbeitsmarkt sind sehr glücklich, wenn man ihnen eine Chance gibt. Es bedeutet ihnen viel, wenn jemand an sie glaubt. Diese Dankbarkeit bedeutet eine enthusiastische Einstellung“, sagt Kniest, „das merkt man, wenn man beim Betreten der Waschanlage freundlich begrüßt wird. Ihre Begeisterung ist echt und rein. Das macht es so besonders, mit ihnen zu arbeiten.“

Nachhaltige Mitarbeiterbeschäftigung

Für den geplanten dritten Standort soll die gleiche Philosophie in Sachen Mitarbeiterbeschäftigung gelten. „Ich würde nichts anderes mehr wollen. Ich arbeite gerne mit dieser Zielgruppe, weil ich die soziale Verantwortung von Unternehmen für enorm wichtig und wertvoll halte.“

Für das Training der Mitarbeiter hauptsächlich verantwortlich ist Coach Elig Akkermans. Er weiß, dass die Ausbildung für diese Menschen viel Zeit in Anspruch nimmt. Vieles muss mehrmals erklärt werden. „Das geht nur, wenn man das aus Leidenschaft macht. Wenn man denkt, man kann damit viel Geld verdienen, sollte man diesen Ansatz nicht verfolgen. Wenn man aber die richtige Einstellung hat und in die Entwicklung der Mitarbeiter investiert, dann erhält man loyalsten die Mitarbeiter als Gegenleistung.“

Über das Zeitliche hinaus, ist dieses Konzept auch durchaus auch personalintensiv. Kniest beschäftigt mehrere Trainer, die als Ansprechpartner und „Job-Coach“ fungieren. In der „Matz Akademie“ werden die Mitarbeiter in vier Bereichen ausgebildet, aus welchen sie selbst ihren Favoriten wählen können. „Durch die Spezialisierung auf einen bestimmten Sektor werden sie besser in ihrer Arbeit und können sich von anderen abheben. Nicht alle Mitarbeiter sind für die gleichen Positionen geeignet. Beispielsweise kann es sein, dass jemand nicht über die motorischen Fähigkeiten verfügt, um eine VIP-Behandlung ordnungsgemäß durchzuführen. Wir sorgen dafür, dass alle Mitarbeiter eine Aufgabe erhalten, die zu ihnen passt“, meint Kniest.

Matz Akademie

Um eine reibungslose Kommunikation zu gewährleisten, arbeiten die Ausbilder mit Untertiteln. Momentan aufgrund der Flüchtlingssituation insbesondere mit arabischen. Die Arbeitssprache am Standort ist allerdings Niederländisch. „Wir möchten aber nicht, dass die Sprachbarriere ein Hindernis für die Ausführungen der Arbeiten darstellt“, erläutert Kniest. Nach dem erfolgreichen Training in der Matz Akademie erhalten die Teilnehmer ein entsprechendes Zertifikat über das absolvierte Training. So können sie vorweisen, was sie können. Diese unterscheiden sich je nach gewähltem Bereich. Servicemitarbeiter, VIP-Mitarbeiter, Waschmitarbeiter oder Kassierer stehen zur Wahl.

Die Mitarbeiter sind das Unternehmen

Kniests feste Überzeugung ist es, dass die Menschen das Unternehmen ausmachen, nicht die Technik. „Es ist nicht die Autowäsche, sondern das Personal, aus dem das Unternehmen besteht. Besucher kommen speziell für unsere Mitarbeiter in unsere Filialen. Es lässt sich erkennen, dass einige Kunden einen bestimmten Vorzug für einen Mitarbeiter haben. Man merkt, dass die Leute unsere Arbeit mögen und sie interessant finden.“

Er wünscht sich vor allem auch eine Öffnung des Arbeitsmarktes in den unterschiedlichsten Unternehmen und Branchen. „Viele Unternehmer empfinden es als beängstigend, Menschen einzustellen, die vom Arbeitsmarkt entfernt sind. Gerade, wenn Menschen auf Sozialhilfe angewiesen sind, fällt es Arbeitgebern oft schwer, diesen Menschen eine Chance zu geben. Was aber vergessen wird, ist dass sie zwar auf ganz andere Art und Weise angesprochen werden müssen, als reguläre Mitarbeiter. Hat man arbeitsmarktferne Menschen aber für sich gewonnen, ist die Arbeit mit ihnen eine ganz besonders bereichernde – für Kunden und Kollegen.“

Autor: Eva Heuft

Eva Heuft, studierte Germanistin und Anglistin, arbeitet als Redakteurin für das CarwashPro Magazin.

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