Wirtschaftliche Unsicherheit bremst Baugewerbe aus

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Für das Baugewerbe geht das aktuelle Jahr mit einem deutlichen Nachfrageminus zu Ende. Auch die Aussichten für 2023 sind nicht besser. Jetzt zeigen sich die Konsequenzen im Wirtschaftsbau, dass Investoren ihre Bauprojekte verschieben oder zurückstellen. Nach einer schwierigen Phase der Material- und Personalknappheit setzt sich die angespannte Lage im Bauwesen so weiter fort.

„Wir erwarten für dieses und das kommende Jahr eine Delle in der Baukonjunktur, d.h. der Umsatz wird in diesem Jahr real um 5,5 % und im kommenden Jahr noch einmal um 7 % zurückgehen. Sorgenkind dabei ist vor allem der Wohnungsbau; aber auch die beiden übrigen Bausparten Wirtschaftsbau und öffentlicher Bau sind stark rückläufig.“ Mit diesen Worten kommentierte Reinhard Quast, Präsident Zentralverband Deutsches Baugewerbe, die kürzlich veröffentlichten Erwartungen der Baubranche in Berlin. Quast weiter: „Der Mix aus steigenden Bau-, Finanzierungs- und Lebenshaltungskosten schlägt zunehmend auf die Nachfrage nach Bauleistungen zurück. Die Baukonjunktur verliert an Schwung. Die Rahmenbedingungen für die Bauwirtschaft haben sich markant verschlechtert und trüben die Aussichten für die Baukonjunktur in 2023 deutlich ein.“

Verschlechterung für 2023 erwartet

Diese Einschätzung wird von den Mitgliedsunternehmen des deutschen Baugewerbes bestätigt. In der Verbandsumfrage von November 2022 gehen über 60 % der Unternehmen von einer Verschlechterung der Geschäftsentwicklung in den nächsten sechs Monaten aus. Dies betrifft insbesondere die Geschäftserwartungen im Wohnungsbau, dem Stützpfeiler der Baukonjunktur der letzten Jahre. Quasi keines der Unternehmen erwartet hier eine bessere Geschäftsentwicklung in den kommenden sechs Monaten. Aber 74 % der Unternehmen im Wohnungsbau gehen von einer Verschlechterung der Geschäftsentwicklung aus.

Wirtschaftsbau erwartet realen Rückgang von 6 %

Die Entwicklungen des Wirtschaftsbaus sind nicht nur an Anzeiger für die kommende wirtschaftliche Entwicklung, sie zeigen auch die Bereitschaft von Unternehmen auf Wachstum zu setzen und neue Bauprojekte umzusetzen.

Die Investitionen im Wirtschaftsbau sind vor allem durch die Konjunkturaussichten der deutschen Volkswirtschaft, und damit durch die vorherrschende hohe Unsicherheit geprägt. Auch die Baukostenentwicklung wirkt bremsend auf die Nachfrage nach Gewerbebauten. Die rückläufige Orderentwicklung lässt in den nächsten Monaten eine rückläufige Umsatzentwicklung erwarten.

Vor diesem Hintergrund fallen die Umsätze im Wirtschaftsbau real damit um 5 % niedriger aus als in 2021. „Für 2023 rechnen wir mit einem weiteren realen Rückgang beim Umsatz im Wirtschaftsbau um 6 %“, so die Rechnung von Quast.

Neue Waschanlagenprojekte

Die zurückliegenden Jahre waren für die Carwash-Branche eine gute wirtschaftliche Zeit, weil Autowaschen als krisensicher galt. Während der Corona-Krise und in der ersten Zeit seit Beginn des Ukraine-Krieges schien sich diese Annahme bewahrheitet zu haben. So haben viele Investoren beschlossen, mit neuen Waschanlagen zu starten. Doch zwischenzeitlich ist die Wirtschaftskrise und die Inflation beim Endverbraucher spürbar angekommen und Autowäschen steht bei vielen Kunden nicht mehr im Fokus. Das erschwert das Geschäftsmodell der Autowäsche und besonders neue Standorte stehen nun vor schwierigen Rahmenbedingungen, um eine stabile Kundschaft aufzubauen.

Neue Waschanlagenprojekte werden derzeit vermehrt nach hinten angestellt. Ein Grund dafür sind die stark gestiegenen Baukosten, die eine erneute Finanzplanung solcher Projekte erfordern.

Autor: Sandra Schäfer

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