Wann öffnet sich das Auto dem digitalen Fortschritt?

Das erste Corona-Jahr befeuerte die Digitalisierung in vielen Lebensbereichen. Nur das Auto bleibt weiter ein Schloss mit sieben Siegeln. Unterschiedliche Gründe machen es schwer, neue digitale Wege zu gehen und innovative Möglichkeiten auszureizen. Am Ende muss der Kunde mit zahlreichen Insellösungen hantieren. Auch in der Carwash-Branche zeigt sich ein Trend zur Digitalisierung, aber der Kunde erlebt viele einzelne Lösungen.

Die Digitalisierung hat das Ziel, das Leben der Menschen zu erleichtern und nicht zusätzliche Erschwernisse zu produzieren. Besonders im Segment des Autos treffen aktuelle Entwicklungen auf viele Hürden, die einen digitalen Durchbruch ausbremsen.

Autos sammeln Daten

Moderne Autos sammeln eine Vielzahl von Daten, mit denen man die Autonutzung in vielen Bereichen verändern könnte. Doch anstatt den neusten Stand der Technik mit den Möglichkeiten der Digitalisierung zusammenzuführen, entstehen technische Insellösungen und viele Fragen bleiben ungeklärt. Fahrzeughersteller ermöglichen keinen Zugriff auf die Daten eines Fahrzeuges und erschweren es Entwicklern, digitale Lösungen auf dem gesamten Markt umzusetzen. Dort, wo es digitale Angebote gibt, müssen diese umständlich freigeschaltet werden oder eine nachträgliche Freischaltung ist gar nicht möglich. Der Kunde erlebt hier die Grenzen der Systeme. Aber auch für App-Hersteller ist diese technische Umgebung schwierig.

Hersteller müssten ihre Systeme öffnen

Es gäbe verschiedene Lösungen für die Lösung dieses Problems. Entweder die Fahrzeughersteller entwickeln eigenständig digitale Leistungen. Dies wäre für sie aber schwer umsetzbar, denn die Bandbreite am Möglichkeiten reicht vom intelligenten Kurvenlicht, über digital gesteuerte Motorleistungserweiterungen bis zu hin Service-Apps wie Apps, die sich mit der Fahrzeugwartung und -pflege beschäftigen. Hier wäre es sehr kostspielig für die Fahrzeughersteller, die notwendige Fachexpertise in jedem Einzelsegment zu entwickeln. Die zweite Variante wäre eine Öffnung der Plattformen. Ähnlich wie im Handysegment könnten Anwendungsentwickler dann ihr Angebot an die technischen Voraussetzungen der Fahrzeuge anpassen und so könnte ein breites Angebot entstehen. Allerdings ist dies für die Entwickler nur dann lukrativ, wenn sie sich auf Verkaufs-starke Fahrzeuge konzentrieren und Fahrzeuge abseits der Hauptfavoriten würden außen vor bleiben. Dabei scheinen die Ansprüche der Kunden an digitale Leistungen rund um das Auto zu wachsen. Obwohl in Deutschland viele Autofahrer sehr markentreu sind, wären einer Connected-Car-Studie von NTT Data und Teknowlogy PAC sogar 47 Prozent der Befragten bereit, ihre bevorzugte Fahrzeugmarke zu wechseln, wenn sie dadurch ihre bevorzugten digitalen Dienste besser nutzen könnten.

Aktuell zeigt sich der Markt im Einzelnen zwar in einer starken digitalen Entwicklung, aber der Kunde muss für sein Fahrzeug viele einzelne Anwendungen nutzen, die ihren Zweck nicht in gesammelten Anwendungen bündeln. Erst wenn sich der Vorteil für den Endkunden deutlich erhöht, wird auch die Digitalisierung rund um das Auto ähnlich schnell voranschreiten wie wir es etwa in der mobilen Kommunikation in den zurückliegenden Jahren erlebt haben.

Autor: Sandra Schäfer

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