Erste Anzeichen für Konsumwandel kommen in der Wirtschaft an

Der Automobilmarkt ist in Deutschland traditionell ein zuverlässiger Anzeiger für die Lage der Wirtschaft. Auch wenn zuletzt das Angebot des Marktes wegen der Halbleiterkrise und Lieferkettenzusammenbrüche stark zurückging, konnte eine anhaltend hohe Nachfrage verzeichnet werden. Doch jetzt gibt es erste Anzeichen, dass sich dieser Trend umkehrt und die Konsumenten ihre Investitionen an die derzeitige Wirtschaftslage anpassen.

Mit der Veröffentlichung der Neuzulassungen im Juli wurde eine Änderung in der Automobilwirtschaft sichtbar. In den ersten sieben Monaten des Jahres wurden etwa 1,44 Millionen Neuwagen zugelassen. Das seien etwa 11 Prozent weniger neue Pkws als im gleichen Zeitraum des Vorjahres und sogar noch weniger als im gleichen Zeitraum im ersten Corona-Jahr. Der Vergleich zum letzten Vorkrisenjahr 2019 zeigt ein heutiges Minus von 737.000 Fahrzeugen, was etwa -34 Prozent entspricht.

Dabei spiegele die aktuelle Nachfragesituation bei weitem nicht mehr die reale Marktlage wider, gibt Reinhard Zirpel, Präsident des Verbands der Importeure (VDIK), zu bedenken. Händler und Hersteller würden eine Welle an Aufträgen vor sich herschieben, die nicht zur Auslieferung kommen würde. „Die Kunden wollen mehr Autos kaufen, als verfügbar sind“, sagt Zirpel.

Auftragsrückgänge spürbar

Doch nun scheint es erste Anzeichen für einen Konsumwandel zu geben. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) bestätigt, dass im Juli die Auftragseingänge spürbar und anhaltend zurückgehen würden. Erstmals in diesem Jahr ist der Auftragseingang damit unter den Wert des gleichen Zeitpunkts im Jahr 2021  leicht gesunken (derzeit -1 %). Als Gründe sehen Experten hier die unklare Lage auf dem Energiemarkt und die starke Verschlechterung des konjunkturellen Umfeldes. Beides führe aktuell zu einer spürbaren Zurückhaltung.

Wann ist das Waschgeschäft betroffen?

Erst vor kurzem sprach die CarwashPro-Redaktion mit Konsumpsychologe Dr. Hans-Georg Häusel. Er äußerte seine Experteneinschätzung, dass der aktuell noch ausbleibende Rückgang im Waschgeschäft mit einem psychologischen Effekt zusammenhänge.

„In einer unkontrollierbaren Welt greift der Mensch auf Kontrollmechanismen zurück. Er schaltet in den Krisenmodus, weil er die Folgen der aktuellen Krise individuell und im eigenen Leben feststellt und dem entgegenwirken möchte“, erklärt Dr. Hans-Georg Häusel. Damit ist für ihn auch der Unterschied zwischen der zurückliegenden Finanz- und Flüchtlingskrise im Vergleich zur aktuellen Krisenlage erklärbar. Diese habe zwar ebenfalls Auswirkungen auf das Leben der Menschen in Deutschland, „doch sie waren gefühlt weit weg.“ Die Corona-Krise und die jetzige Energiekrise nehmen die Menschen intensiver wahr und reagieren daher auch anders.

Waschanlagenbetreiber blicken aktuell sehr angespannt auf die tagesaktuellen Waschzahlen in ihren Anlagen. Die Wasserknappheit, die geopolitische Lage, die Wirtschaftslage und die trüben Aussichten bezüglich der Energiepreise lassen viele Branchenmitglieder jederzeit mit einer Trendwende in den Waschanlagen rechnen.

Autor: Sandra Schäfer

Antworte auch

Noch maximal Zeichen

Bitte melden Sie sich an mit einem der sozialen Medium um einen Kommentar abzugeben.