„Die Märkte entwickeln sich sehr unterschiedlich“

Führende Unternehmen der Autowaschanlagen-Branche haben einen ganzheitlichen Überblick über die Entwicklungen des Marktes und die unterschiedlichen Trends in den verschiedenen Ländern. Arthus Wessels ist Executive Vice President der WashTec AG und teilte seine Sichtweise zur Branchenentwicklung mit CarwashPro während der letzten Car Wash Show Europe.

 Wie sehen Sie die Branche aktuell?

Die Branche hat sich als extrem robust gezeigt während der Corona-Krise. Auswirkungen waren unterschiedlich, je nachdem ob Waschanlagen vom Lockdown betroffen waren oder nicht. Bereits in 2020 haben wir eine Entwicklung beobachtet. In den ersten Corona-Monaten März, April und Mai 2020 waren die Menschen nervös. Aber schon zum Sommer hin sahen wir steigende Zahlen. Auf das ganze Jahr betrachtet, war es natürlich in den Ländern unterschiedlich, aber unter dem Strich war es ein gutes Jahr. In 2021 hatten wir einen sehr guten Start ins aktuelle Jahr. Das hören wir von unseren Kunden, aber das sehen wir auch an unseren eigenen Niederlassungen

Wie sind die Märkte in Europa entwickelt, gibt es nationale Unterschiede?

Mit Blick auf die Zahlen der Anlageninstallationen zeigen sich große Unterschiede. Deutschland ist in Europa der größte Markt, der zweitgrößte ist Frankreich. Dies sind die zwei größten Länder, aber wenn man die Einwohnerzahl vergleicht, sind Frankreich und Großbritannien sehr gut vergleichbar, aber die Anlageninstallationen unterscheiden sich stark. In Großbritannien gibt es das Phänomen der Handwäsche. Dieser Bereich ist schon seit Jahren sehr groß, aber aktuell rückläufig.

Aber der Markt entwickelt sich auch unterschiedlich. In Deutschland sieht man etwa 16.000 installierte Autowaschanlagen, in Frankreich hingegen nur 7.500 Stück. SB-Waschanlagen gibt es in Deutschland etwa 3.500, in Frankreich hingegen sogar 5.500 SB-Waschanlagen. In Frankreich wurde das SB-Geschäft in den letzten Jahren stark entwickelt und durch einige erfolgreiche Unternehmer gestärkt. Aber auch hier sehen wir einen Wandel, dass einige dieser SB-Waschplatz-Betreiber nun auch in Portalwaschanlagen investieren.

Im Amerika boomt gerade das Express-Waschen. Wie sieht es dazu in Europas Zukunft aus?

Grundsätzlich ist das Waschstraßengeschäft in Deutschland und den Beneluxstaaten groß. Aber hier werden die Anlagen mit Personal betrieben. Unbemannte Waschstraßen sehen wir aktuell noch nicht wirklich in Europa. Die Innenreinigung wächst aber in Europa, die natürlich zurzeit noch manuelle Handarbeit ist. Aber in Nordamerika wächst der Markt von Waschstraßen und Express-Waschanlagen bedeutsam an. In Europa ist die Entwicklung unterschiedlich. In Frankreich ist das größte Problem geeignete Grundstücke zu bekommen, denn sie sind in Europa sehr teuer. Aber selbst dort, wo Grundstücke verfügbar sind, braucht man dort auch das Potenzial an Waschkunden um ein Geschäftsmodell zu rechtfertigen. Die Investitionen sind hoch, wir reden hier nicht von einigen Hunderten von Euros, sondern über Millionen. Aber wenn man das richtige Gelände und das passende Potenzial hat, ist dies ein fantastisches Geschäft.

Wir wollen auch über die aktuellen Trends und Entwicklungen sprechen. Wie sehen Sie dies?

Ich denke, mobiles Bezahlen hat während der Pandemie an Geschwindigkeit zugelegt. Dies wird nun in viel größeren Zahlen steigen, als wir es bisher beobachtet haben. Ich denke auch, das Bezahlen vor Ort wird zunehmen. In Frankreich, Südeuropa und Skandinavien ist dies bereits sehr verbreitet. Das bedeutet, dass Sie nicht in den Laden gehen, um Ihre Wäsche zu bezahlen, sondern mit Ihrem Telefon oder einfach an der Waschstation bezahlen. Ich denke auch, dass digitale Apps für den Kauf von Wäsche und Wäscheabonnements durchstarten werden. Die Digitalisierung wird sicher wachsen, sowohl aus der Sicht der Betreiber, als auch aus der Sicht der Endkunden.

Was bedeutet Digitalisierung aus Betreibersicht?

Dies bedeutet einen besseren Fernzugriff auf Ihre Ausrüstung für die vorausschauende Wartung. An diesem Punkt wird die Wartung normalerweise durchgeführt, wenn ein Problem auftritt, und nicht, wenn ein Problem auftreten wird. Wir befinden uns jetzt in einem reaktiven Modus, bewegen uns jedoch in Richtung proaktiv. Infolgedessen haben Autowaschanlagen eine bessere Betriebszeit.

WashTec ist Marktführer. Das börsennotierte Unternehmen erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 430 Millionen Euro. Kämpfen Sie immer noch um jeden Auftrag?
Natürlich. Wir sagen bei uns oft: „Hohe Bäume fangen viel Wind.“ Natürlich müssen wir um jeden Auftrag kämpfen. Vielleicht sogar mehr als andere, wegen der Erwartungen, die wir erfüllen wollen. Wir wollen das Richtige tun und an Innovation und Service arbeiten. Letztendlich entscheidet der Kunde, mit welchem ​​Unternehmen er zusammenarbeiten möchte. Diesen Erwartungen wollen wir gerecht werden. Service ist eine unserer Stärken. Allein in Europa sind über 600 Techniker unterwegs. Es geht um Verfügbarkeit. Jede Maschine muss gewartet werden und jede Maschine fällt ab und zu aus. Wie schnell ist der Servicetechniker vor Ort? WashTec garantiert mit einem Full-Service-Wartungsvertrag eine Verfügbarkeit von 98 Prozent. Und in einigen Ländern haben wir höhere Werte.

In Zukunft könnten weniger Autos gewaschen werden. Wenn man sich die größeren Trends ansieht, ziehen die Menschen in die Stadt, der öffentliche Nahverkehr und das Carsharing nehmen zu, Autos können autonom werden. Wo liegen also die Chancen für Autowaschbetriebe in fernerer Zukunft?
Ich denke, der Autobesitz wird sich ändern. Junge Leute wollen nicht unbedingt ein Auto besitzen, aber sie wollen es nutzen. Zum Beispiel beim Carsharing. Und dann ist der Einsatz eines sauberen Autos noch wichtiger als heute schon. Dies kann der Innenreinigung einen positiven Impuls geben. Aber vorerst nimmt die Zahl der Autos auf den Straßen noch zu. Aufgrund beider Trends sehe ich eine sehr positive Zukunft für die Autowäsche.

Sind die Kunden bereit, für eine umweltfreundliche Wäsche mehr zu bezahlen?
Das scheint in den einzelnen Ländern unterschiedlich zu sein. In manchen Ländern sind die Menschen mehr auf Nachhaltigkeit bedacht als in anderen Ländern. Aber eines ist sicher: Nachhaltigkeit steht ganz oben auf der Agenda und es wird auch in weiteren Ländern wachsen. Daran arbeiten wir bei WashTec in den Bereichen Chemie, Wasserverbrauch und Recycling, Stromverbrauch… Alle Aspekte müssen untersucht werden. Und Nachhaltigkeit ist für jüngere Menschen noch wichtiger.

Sieht die Zukunft der Autowaschbranche rosig aus?
Ja, ich bin sehr optimistisch! Ich bin seit über 30 Jahren in der Branche und habe Höhen und Tiefen erlebt. Im Moment verlagert sich der Fokus in der Branche auf Qualität, Marketing und Umwelt. Der Verbraucher ist bereit, eine Autowaschanlage zu benutzen, wenn diese verfügbar ist. Sehen Sie Ihre Nachbarn noch samstags auf der Straße ihre Autos waschen? Nein. Aber am Wochenende ist in der Waschanlage viel los. Aus diesem Grund sind wir der Meinung, dass einige weitere Maschinen hinzugefügt werden sollten.

Das gesamte Interview mit Arthur Wessels finden Sie im Video von der Car Wash Show Europe. (englische Sprache)

Autor: Sandra Schäfer

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