Autowäsche 2030: Szenario 2 – Die Ökorevolution

Das zweite Szenario, welches wir Ihnen heute vorstellen möchten, trägt den Namen Ökorevolution. Anders als man meinen könnte, ist es dennoch nicht der Boost für öffentliche Verkehrsmittel, der hier die Straßen beherrscht, sondern die individuelle E-Mobilität.

Carsharing hat nicht das gehalten, was es versprochen hat und die Nutzerfreundlichkeit solcher Angebote konnte nicht überzeugen. Dank innovativer Lösungen in der E-Mobilität, die nun auch für den Normalverbraucher erschwinglich sind, geht der Trend wieder hin zum Besitz von Eigenwagen. Trotz einschneidender Regeln und Gesetze zum Thema Klimaschutz, schaffen Autohersteller den Sprung zu grünen Alternativen. Diese Vorschriften, insbesondere die Wasser- und Luftverschmutzung betreffend, haben großen Einfluss auf die Autowaschindustrie.

Stellschrauben

Die enorme Zunahme an Umweltregulierungen sowie die Entwicklung smarter Materialien im Autobau sind vor allem die Stellschrauben, die das Waschgeschäft deutlich verändern. Es ist wieder „in“ selbst ein Auto zu besitzen. Das Umweltbewusstsein der Menschen bleibt auf einem hohen Niveau, was zu nachhaltigen Lifestyles führt. Das steht nicht in Konflikt mit dem Trend „eigenes Auto“, da die E-Mobilität hält, was sie verspricht: Batterien und Energietechnologie machen große Fortschritte, sie sind nicht nur bezahlbar, sondern sind endlich diegrüne Alternative.

Allerdings kommt mit der Entwicklung der smarten Materialien im Fahrzeugbau auch ein Manko für das Waschgeschäft: Die Oberflächen sind selbstreinigend und brauchen entsprechend weniger Pflege als konventionelles Material.

Waschdimensionen

  1. Nachfrage: Die Nachfrage sinkt. Zwar steigt u.U. die Fahrzeugpopulation, aufgrund der eingesetzten Materialien ist der Bedarf an Wäschen jedoch nicht mehr so hoch.
  2. Anlagenort: Trotz der voranschreitenden Urbanisierung werden Waschanlagen mehr und mehr aus den Städten verdrängt. Das liegt daran, dass dort die Wasser- und Luftbelastungen ohnehin schon ausgeprägter ist, als anderswo. Die Anlagen werden Orte verlagert, die resistenter gegenüber solchen Verschmutzungen sind.
  3. Betriebskonzept: Alleinstehende Waschanlagen gehören der Vergangenheit an. Stattdessen werden sie Teil anderer Kernleistungen. So ist bspw. eine Fusion mit Aufladestationen für E-Autos denkbar: „Laden Sie Ihr Fahrzeug hier und bekommen Sie eine Wäsche gratis!“
  4. Anlagentyp: Aufgrund sinkender Nachfrage geht der Trend hin zu eher günstigeren Anlagentypen. SB- und Portalanlagen werden als lukrativer betrachtet, wenn sie kostengünstiger zu installieren sind und somit schneller die Investitionskosten tragen.
  5. Waschoptionen: Zu den normal üblichen Waschoptionen (Basis bis Premium) kommen solche hinzu, die sich vor allem auf die Pflege der neuen, smarten Oberflächen spezialisieren. Als „Ultra-Premium“ sollen sie besonders auf die Kunden eingehen, die eine neu gewonnene Leidenschaft für die modischen E-Fahrzeuge hegen.
  6. Waschtechnologie: Die Waschchemie ist nun auf biologischer Basis und komplett abbaubar. Ultra umweltfreundliche Filtrationssysteme und Anlagen sorgen für den bestmöglichen Umgang mit den Wasserressourcen. Außerdem werden touchless bzw. waterless Systeme weiterentwickelt und erfreuen sich ebenfalls wachsender Beliebtheit.
  7. Added-Value-Services: Selbst als Teil anderer Kerngeschäfte werden die Anlagen weitere passende Dienstleistungen und Angebote finden. Insbesondere die Prüfung, Wartung und Instandhaltung der neuen smarten Oberflächenmaterialien gehören nun mit zum Spektrum.
  8. Anlagenwartung: Da die Anlagen nicht mehr hoch frequentiert genutzt werden, geht Verschleiß weiter zurück. Außerdem kommen auch der Waschanlage die neuen Oberflächen zugute, da sie ebenfalls für eine längere Lebensdauer sorgen. Die Wartung als solche ist dadurch aber auch komplexer geworden.
  9. Betreiberlandschaft: Die größeren Standorte mit größerem finanziellem Budget werden sich auf diesem Markt durchsetzen, da sie die Mittel haben, die Einbußen der geringeren Einnahmen durch andere Services zu ersetzen. Kleinere Standorte haben es hier schwer mitzuhalten, da der Ausbau z.B. zu Aufladestationen kostenintensiv ist und möglicherweise nicht getragen werden kann.
  10. Herstellerlandschaft: Auch hier können sich vor allem große Hersteller, die finanziell gut aufgestellt sind, eher halten, als kleinere, die finanziell nicht so stark sind. (Kostenintensive) Innovationen werden vom Markt gefordert, die insbesondere drei Merkmale aufweisen: a) können mit den neuen Materialien umgehen, b) produzieren keine Umweltverschmutzungen und c) ermöglichen weiterhin den höchst möglichen Standard für die Autowäsche, bei ansonsten gleichbleibenden Bedingungen.

Chancen und Herausforderungen

Vor allem im Hinblick auf die Revolution in der E-Mobilität bietet sich hier die Chance, gleich von Beginn an an der Infrastruktur mitzuwirken und somit einen Schlüsselpart in der Umwälzung zu spielen. Denn andererseits führen die angesprochenen Stellschrauben dazu, dass Waschanlagen, die sich ausschließlich auf die Wäsche fokussieren, voraussichtlich keine Chance auf diesem Markt haben.

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Autor: Eva Heuft

Eva Heuft, studierte Germanistin und Anglistin, arbeitet als Redakteurin für das CarwashPro Magazin.

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