Lieferengpässe treffen auch die Waschanlagen

Seit Monaten beobachten Experten einen Preisanstieg von Produkten und Waren, die auch für die Waschbranche relevant sind. Jetzt wirken sich Preiserhöhungen und Lieferschwierigkeiten massiv aus. CarwashPro.de hat mit Sascha Kramer, Inhaber von Autowasch- & Tankstellen-Einkauf – Sascha Kramer, über seine Wahrnehmung der aktuellen Marktlage gesprochen.

Die Marktentwicklung merkt Sascha Kramer, Inhaber von Autowasch- & Tankstellen-Einkauf – Sascha Kramer, bei vielen sehr unterschiedlichen Produkten in seinem Sortiment. Als Zulieferer bedient er die Nachfrage nach Ersatzteilen, Zusatzteilen und vielen anderen Produkten, die in und um Waschanlagen herum zum Einsatz kommen. Preisanstiege stellt Kramer bereits seit einigen Monaten fest. Doch aktuell spitzt sich die Lage aus seiner Sicht zu. Hersteller sehen sich teilweise gezwungen drastische Preiserhöhungen weiterzugeben, die unter Umständen sogar dazuführen, dass manche Produkte aktuell nicht mehr wirtschaftlich rentabel angeboten werden können. Erschwerend hinzu kommt die Aussage von Herstellern, dass Produkte aktuell eine sehr viel längere Lieferzeit haben. Eine Unterversorgung mit elementaren Produkten wie Motoren und Schläuchen drohe.

Just-in-Time funktioniert gerade nicht

Die moderne Warenwirtschaft war zuletzt über viele Jahre auf „Just-in-Time“-Lieferung ausgerichtet. Bestellungen wurden dann beim Hersteller oder Zulieferer aufgegeben, wenn der Bedarf unmittelbar bevor stand. Lagerhaltung und Bevorratung fanden in vielen Bereichen nicht statt, weil die Kosten für Lagerkapazitäten sehr hoch waren. Dies hat in der aktuellen Lage zur Folge, dass kaum ein Unternehmer auf ein Warenlager an Ersatzteilen zurückgreifen kann, wenn sich Preise stark erhöhen oder Produkte nicht lieferbar sind. Betrifft dies Produkte des Kerngeschäfts, wie zum Beispiel die Motoren der Waschtechnik oder Schlauchverbindungen, sind Unternehmen schnell im Bereich der Existenzbedrohung. Sascha Kramer stellt diesen Mangel an Warenverfügbarkeit auch bei sogenannten „Brot- und Butter-Artikeln“ fest, auf die keine Waschanlage verzichten kann und tagtäglich im Einsatz hat.

Extreme Preissteigerungen

Gleichzeitig gibt es eine weitere Tendenz, die Unternehmer aktuell schwer trifft. Aus mehren Gründen steigen aktuell die Preise sehr stark an. Es hat sich gerade ein Kreislauf gebildet, der zu immer höheren Preisen führen könnte. Die Nachfrage ist derzeit auf einem hohen Niveau. Hier spielen zum Beispiel Nachholeffekte aus der Lockdown-Zeit der Corona-Pandemie eine Rolle. Die hohe Nachfrage erhöht die Knappheit von Gütern und Waren. Genau an diesem Punkt kommen jetzt erschwerend die Lieferengpässe auf dem Weltmarkt hinzu. Durch die Verkettung von Lieferwegen und Produktionswegen weiten sich die Folgen der Schwierigkeiten auf dem Weltmarkt nach und nach auch in weitere Wirtschaftsbereiche aus und auch regionale und lokale Unternehmen werden von den Folgen betroffen werden. Dieses Zusammenwirken erhöht wiederum erneut die Nachfrage und Knappheit. Nach der Meinung von Sascha Kramer kann dieser Effekt sogar noch eine Weile anhalten.

In der Waschbranche zeigt sich dies in der Praxis zum Beispiel durch Einschränkungen in der Warenverfügbarkeit. Dazu ein Beispiel aus dem geschäftlichen Umfeld von Sascha Kramer, das er im Gespräch mit CarwashPro.de ganz transparent dargelegt hatte: Ein klassischer Verkaufsartikel in seinem Unternehmen ist ein einfacher Mülleimer mit 50 Litern Fassungsvolumen aus pulverbeschichtetem Stahl. Dieser wurde in der Vergangenheit  für ca. 150 € an Waschanlagenbetreiber verkauft. Kürzlich meldet der Hersteller dieses Produktes eine Preiserhöhung an. Aufgrund des Mangels an Stahl könne der Edelstahlmülleimer aktuell nur noch für einen Preis von 257 € eingekauft werden. Diese Preiserhöhung verlief nicht über einen längeren Zeitpunkt, sondern war eine sofortige Preiserhöhung. Sascha Kramer musste aus unternehmerischen Gesichtspunkten heraus entscheiden, dieses Produkt vorläufig aus dem Sortiment nehmen zu müssen, weil er es nicht mehr gewinnbringend an seine Kunden verkaufen könne. Erschwerend hinzu kam die Ankündigung des Herstellers, dass aktuell mit mehreren Wochen Lieferzeit zu rechnen sei. Dieses Beispiel zeigt sehr deutlich, wie die Zusammenhänge und Folgen der aktuellen Wirtschaftsprobleme sind.

Unternehmerische Kreativität ist gefragt

Im Interview berichtete Sascha Kramer, dass er solche Entwicklungen in der Vergangenheit nicht erlebt hatte. Gleichzeitig sucht er Wege, um seinen Kunden auch in diesen schweren Zeiten helfen zu können. Seine Tipps an Unternehmer sind derzeit recht einfach: Wenn es möglich ist, für die wichtigsten Waren einen Vorrat anlegen und nach Alternativen suchen. Im Fall des Edelstahlmülleimers empfiehlt er seinen Kunden zum Beispiel, vorerst auf Kunststoffmülleimer umzusteigen. Hier sei aktuell noch keine so starke Knappheit entstanden und es sei besser den Waschkunden überhaupt ein Angebot zu machen, als gar keines. Langfristig kann es nach Einschätzung von Sascha Kramer dazu kommen, dass sich die Umstände auch auf das Waschergebnis niederschlagen werden. Wenn Ersatzteile und Reinigungsmaterial nicht wie bisher regelmäßig getauscht werden können, kann unter Umständen das Waschergebnis minderwertig werden. Eine Möglichkeit, weitere wirtschaftliche Folgen davon abzuschwächen, könnten darin bestehen, die aktuelle Lage bereits jetzt offen mit den eigenen Kunden anzusprechen und durch Information das Verständnis zu erhöhen.

Die Redaktion von CarwashPro.de bedankt sich bei Sascha Kramer für das offene Interview und die detaillierten Einblicke in die aktuelle Lage.

Autor: Sandra Schäfer

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